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Die Waldorfschule – ist sie wirklich so weltfremd?

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"Ich war auf der Waldorfschule." Darauf bekommt man von der Mehrzahl der Menschen folgenden Satz zu hören: „Na, dann kannst du ja jetzt deinen Namen tanzen!“ Aber kaum jemand hat sich schon mal über das pädagogische Konzept dahinter informiert. Ist es wirklich eine Schule, die den Kindern eine heile Welt vorspielt, um sie dann in die harte Realität zu entlassen?

Eines vorweg: Ja, es gibt ein Fach (Eurythmie genannt), in dem man lernt Buchstaben und Töne in Bewegungen auszudrücken. Also: es durchaus möglich seinen Namen zu tanzen!

Das Konzept der Waldorfschule umfasst allerdings weitaus mehr, als nur Bewegungskunst. Es verfolgt eine bestimmte Weltanschauung und pädagogisch-didaktische Überzeugung. Der Mensch wird in diesem Konzept als Individuum gesehen und als Individuum speziell gefördert. An den meisten „konventionellen“, staatlichen Schulen werden die Schüler als lernende Masse betrachtet und auf den Einzelnen wird nur wenig eingegangen. Dies hat zur Folge, dass bestimmte Begabungen und auch Schwächen spät oder gar nicht erkannt werden.

Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass die Waldorfschule nur für musisch begabte Kinder geeignet ist. Bei der kreativen Arbeit geht es weniger um das Ergebnis, als vielmehr um den Prozess. In diesem erlernen die Kinder Fähigkeiten, die über das künstlerische Gestalten hinausgehen. Die Schüler sollen lernen ihre Kreativität, ihren Verstand und ihre Persönlichkeit gleichermaßen einzusetzen.

Im Gegensatz zu den staatlichen Schulen, bei denen der Lernerfolg an erster Stelle steht, geht es in den Waldorfschulen auch darum soziale Fähigkeiten zu entwickeln.

So geht es in der Unter- und Mittelstufe nicht um das reine Erlernen von Fachwissen, sondern darum zu reflektieren, was gelernt wird. So gibt es in dieser Zeit auch keine Noten für die Schüler. In den Zeugnissen wird auf die Persönlichkeitsentwicklung und den Lernerfolg eingegangen und ein Sitzenbleiben ist nicht möglich. Für viele ist gerade dieses Vorgehen ein Kritikpunkt an dem Waldorfkonzept, da der Schüler so mit dem Erfolgsdruck der „realen“ Welt überfordert ist.
Dem ist entgegenzuhalten, dass eine reine Beurteilung des Wissensstandes mit Noten, welche von Lehrer zu Lehrer verschieden vergeben werden, auch nicht die Beste Lösung sein kann. 

Ein Bestandteil des Lehrplans an den Waldorfschulen ist der Epochenunterricht.
In ihm wird ein einzelnes Fach in Epochen von mehreren Wochen jeden Tag unterrichtet. Das Kind kann sich so intensiver mit dem Stoffgebiet beschäftigen.

Ein Konzept, welches auch in anderen Ländern sehr erfolgreich praktiziert wird.
Des Weiteren sieht der Lehrplan ab der ersten Klasse Fremdsprachenunterricht vor; eine Idee, welche zurzeit auch von manchen staatlichen Grundschulen aufgegriffen wird. Die Naturwissenschaft gehört selbstverständlich genauso zu den Unterrichtsfächern, wie alle anderen.

Wichtig für die Eltern ist es, zu wissen, dass diese Schulform von ihrem Engagement lebt. Es wird von ihnen erwartet, dass sie sich aktiv am Schulgeschehen beteiligen und die Elternsprechtage besuchen. Es ist also Einsatz gefragt!

Außerdem sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass die einzelnen freien Waldorfschulen nicht komplett miteinander vergleichbar sind. Es handelt sich um freie Schulen, welche das gleiche Konzept verfolgen, es aber durchaus unterschiedlich umsetzen.


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